Vermögen zu Lebzeiten übertragen · 50+

Erbvorbezug &
Schenkung.

Warum warten, bis es zu spät ist? Wer Vermögen frühzeitig überträgt, kann den Kindern den Start erleichtern und Steuern sparen. Doch Vorsicht: Die gesetzliche Ausgleichspflicht bei der späteren Erbteilung ist die grösste Stolperfalle für Familien.

Ein unbedachter Erbvorbezug kann später Familien zerreissen.
Ausgleichspflicht
Steueroptimiert
Fair für alle Kinder
Erbvorbezug und Schenkung in der Schweiz – Vermögen zu Lebzeiten übertragen
Art. 630 ZGB
Massgebend ist der Verkehrswert am Todestag — nicht bei der Übergabe
⚠️
Ohne Ausgleichsdispens gilt fast immer: ausgleichspflichtig.
Der feine Unterschied

Erbvorbezug oder Schenkung — wo liegt der Unterschied?

Im Alltag werden die Begriffe oft vermischt. Im Schweizer Erbrecht (ZGB) gibt es aber einen entscheidenden Unterschied, der im Todesfall über Zehntausende Franken entscheiden kann.

Der Erbvorbezug

Ein unentgeltlicher Vermögenswert, den Nachkommen (z.B. Kinder) als Anrechnung an ihr zukünftiges Erbe erhalten.

⚖️ Nachkommen sind gesetzlich zur Ausgleichung verpflichtet — sie müssen sich den Betrag bei der Erbteilung später anrechnen lassen.
Die Schenkung

Eine reine Schenkung erfolgt ohne Pflicht zur Rückerstattung oder Anrechnung — aber nur, wenn dies ausdrücklich (schriftlich) so festgehalten wird.

📝 Fehlt diese Klausel (Ausgleichsdispens), geht das Gesetz bei grossen Zuwendungen an Nachkommen fast immer von einem ausgleichspflichtigen Erbvorbezug aus.
🚨

Die gefährliche Steuer- & Pflege-Falle

Wer sein gesamtes Vermögen zu Lebzeiten an die Kinder verschenkt, um im Alter Ergänzungsleistungen (EL) fürs Pflegeheim zu beziehen, begeht oft einen Fehler. Schenkungen werden als "freiwilliger Vermögensverzicht" angerechnet — du erhältst dann möglicherweise keine Unterstützung vom Staat.

Praxis-Beispiel

Die Zeitbombe Immobilie.

Familie Baumann: Eltern, Tochter Anna, Sohn Beat. Was als gut gemeinter Erbvorbezug beginnt, endet 14 Jahre später in einer bösen Überraschung.

2010 — Ausgangslage

Die Eltern überschreiben Tochter Anna ein Grundstück (Wert CHF 300'000) als Erbvorbezug für den Hausbau. Sohn Beat erhält damals nichts.

2024 — Das rechtliche Problem

Die Eltern sterben, das Resterbe (Bankkonten) beträgt CHF 200'000. Bei der Ausgleichung gilt nicht der Wert von 2010, sondern der Verkehrswert am Todestag (Art. 630 ZGB) — Annas Grundstück ist jetzt CHF 600'000 wert.

Fiktiver Gesamtnachlass600'000 + 200'000 = 800'000
Beats Anspruch (½)CHF 400'000
Die böse Überraschung

Auf den Konten liegen nur CHF 200'000 — das reicht nicht, um Beat seinen Anteil zu zahlen. Anna muss ihrem Bruder aus eigener Tasche CHF 200'000 nachzahlen (Ausgleichspflicht). Oft zwingt das zu einer neuen Hypothek — oder zum Verkauf des Hauses.

Steuern sparen mit warmer Hand

Wer früh überträgt, kann sparen.

"Mit warmer Hand geben ist besser als mit kalter", sagt ein Sprichwort. Steuerlich ist das in der Schweiz kantonal sehr unterschiedlich geregelt.

👨‍👩‍👧

Direkte Nachkommen (Kinder)

In den allermeisten Schweizer Kantonen (auch im Appenzellerland oder St. Gallen) fallen weder Schenkungs- noch Erbschaftssteuern für direkte Nachkommen an.

⚠️

Konkubinatspartner & Dritte

Hier schlägt der Fiskus extrem hart zu. Schenkungen an nicht-verwandte Personen unterliegen hohen Schenkungssteuern — oft bis zu 30% oder mehr, je nach Kanton. Vorausschauende Planung oder Heirat kann hier massiv Steuern sparen.

Checkliste Erbvorbezug

01

Dokumentation

Immer schriftlich festhalten (Vertrag) — extrem wichtig zur Beweissicherung.

02

Ausgleichung

Klar regeln: anrechenbar oder per Ausgleichsdispens befreit?

03

Pflichtteile

Dürfen auch bei Schenkungen nicht verletzt werden.

Diese allgemeinen Informationen ersetzen keine massgeschneiderte finanzielle oder rechtliche Planung. Lass deine individuelle Steuersituation und Ausgleichspflicht immer von uns prüfen.

Häufige Fragen

Erbvorbezug & Schenkung — kurz beantwortet.

Mit einem sogenannten Ausgleichsdispens. Du musst schriftlich (am besten notariell oder im Testament) festhalten, dass die Zuwendung nicht ausgleichspflichtig ist. Aber Achtung: Damit darfst du die gesetzlichen Pflichtteile der anderen Erben (z.B. Geschwister) nicht verletzen.

Nein. Gelegenheitsgeschenke im üblichen Rahmen (Weihnachten, Geburtstage, Hochzeit) unterliegen laut Zivilgesetzbuch nicht der Ausgleichspflicht. Erst wenn es um Summen geht, die den üblichen Rahmen der Familienverhältnisse sprengen (z.B. Startkapital für eine Firma, Hauskauf), greift die Pflicht.

Bei Bargeld oder Wertschriften reicht ein schriftlicher Vertrag zwischen dir und dem Empfänger (zur Beweissicherung extrem wichtig). Bei der Übertragung von Immobilien ist eine öffentliche Beurkundung beim Notar und der Eintrag ins Grundbuch zwingend erforderlich.

Weil das Gesetz (Art. 630 ZGB) bei der Ausgleichung den Verkehrswert am Todestag ansetzt. Gerade bei Immobilien, die über Jahre an Wert gewinnen, kann das zu einer deutlich höheren Ausgleichssumme führen als ursprünglich gedacht — wie im Beispiel Baumann.

Beides gehört zusammen: Ein Ausgleichsdispens wird oft im Testament oder Erbvertrag festgehalten, und die Pflichtteile begrenzen, wie ungleich du verteilen darfst. Erbvorbezug ohne Blick aufs Gesamtbild führt zu genau den Konflikten, die du vermeiden willst.

Dein nächster Schritt

Smarte Vermögensübergabe planen.

Ein unbedachter Erbvorbezug kann später Familien zerreissen. Lass uns gemeinsam einen wasserdichten Plan entwerfen, der alle Kinder fair berücksichtigt, Steuern minimiert und deine Vorsorge sichert.

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